Der Cranz-Anleger
Der Fährbetrieb wurde im Herbst 2024 ausgesetzt.
Auf die andere Elbseite zu schippern, war vom Cranz-Anleger aus möglich: Von Cranz im Alten Land nach Blankenese in Hamburg und von Blankenese nach Cranz. Wobei: Auch der kleine Ort Cranz war ein Stadtteil der Freien und Hansestadt Hamburg, als einziger in der Zweiten Meile des Alten Landes. Die Fähre der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG transportierte ihre Gäste hin und her. Rund 25 Minuten brauchte sie dafür. Und das mit einem Halt am Este-Sperrwerk Neuenfelde, wo Passagiere aus- oder zusteigen konnten.
Die Verbindung über die Elbe war alt, sie war die älteste Fährlinie Hamburgs. Schon 1301 soll sie erstmals schriftlich vermerkt worden sein. Ochsen und Post und Waren wurden zwischen den beiden Elbufern transportiert. Ein erstes Dampfschiff kam Mitte des 19. Jahrhunderts zum Einsatz, die Primus. Später gründete sich die Hamburg-Blankenese-Este-Linie, kurz HBEL, die 1923 zu einer GmbH wurde. Sie ließ Passagierdampfer und spezielle Obstdampfer auf der Elbe queren. 1963 wurde die sogenannte Este-Linie von der HADAG übernommen.
Radfahrer stiegen gerne auf die Fähre, um sich nicht von A nach B, sondern von H(amburg) nach C(ranz) bringen zu lassen, für eine Tour auf zwei Rädern im Alten Land. Was die Bordgäste während ihrer Überfahrt zum Cranz-Anleger zu sehen bekamen: Zum einen war es die Insel Neßsand, die sich im Laufe der Zeit mit den Elbinseln Schweinesand im Westen und Hanskalbsand im Osten verbunden hatte. Zum anderen war es das Mühlenberger Loch, ein großes Flachwasserbecken. Beide zusammen ergaben ein Süßwasser-Watt. Beides war Schutzgebiet, in dem sich Tiere und Pflanzen entfalten durften. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln war Neßsand, das in den drei Bundesländern Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein lag, auch gar nicht erreichbar.
Natur dort, Industrie da. Was die Fährfahrer nämlich noch sehen konnten: Die Werft Pella-Sietas im Altländer Neuenfelde und das Flugzeugwerk Airbus in Hamburg-Finkenwerder. Und auf der Cranz gegenüberliegenden Seite der Elbe etwas ganz Nobles: das Treppenviertel von Hamburg-Blankenese. Der Anleger in Cranz war nicht der einzige, von dem aus eine Fähre ab- und anlegte. Es gibt auch den Lühe-Anleger.